Das zeitgenössische Wissen über Zivilisationen ist über zahlreiche spezialisierte Disziplinen — Geschichte, Archäologie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaft, Astrobiologie und andere — fragmentiert. Es gibt keine einheitliche Theorie des Zivilisationsprozesses, kein allgemein akzeptiertes System von Parametern zum Vergleich von Zivilisationen und keine zuverlässigen Methoden zur Vorhersage ihrer langfristigen Dynamik. Zivilisationswissenschaft wird als Meta-Disziplin vorgeschlagen, die darauf abzielt, die Daten aus diesen Wissenschaften in ein einheitliches Erklärungsmodell zu synthetisieren. Der Studiengegenstand ist Zivilisation im weitesten Sinne: eine großangelegte Form sozialer Organisation, charakterisiert durch eine große Bevölkerung, eine entwickelte Arbeitsteilung, Schrift (oder andere Systeme der externen symbolischen Informationsfixierung), Städte und suprabiologische Institutionen. Der Forschungsgegenstand sind die universellen Muster der Genesis, Struktur, Dynamik und Interaktion von Zivilisationen. Um von qualitativer Beschreibung zu quantitativer Analyse überzugehen, werden primäre Parameter vorgeschlagen: Bevölkerungsgröße, Energieverbrauch pro Kopf, Urbanisierungsgrad, Alphabetisierungsgrad, Technologischer Komplexitätsindex, Grad der sozialen Stratifikation und Umweltveränderungskoeffizient. Zu den Methoden gehören historische und archäologische Rekonstruktionen, vergleichende Analysen, mathematische Modellierung (agentenbasierte Modelle, Netzwerkanalyse) und SETI-Methoden. Zu den grundlegenden Aufgaben gehört die Entwicklung einer allgemeinen Theorie der Zivilisationsdynamik und einer Taxonomie der Zivilisationen. Anwendungsorientierte Aufgaben auf der irdischen Horizon umfassen Werkzeuge zur zivilisatorischen Prüfung, Vorhersagesysteme für globale Risiken und langfristige Entwicklungsszenarien. Auf der kosmischen Horizon besteht die Aufgabe darin, prädiktive Modelle von Technosignaturen für die Suche nach extraterrestrischen Zivilisationen zu entwickeln. Zivilisationswissenschaft ersetzt bestehende Wissenschaften nicht, sondern dient als meta-disziplinärer Rahmen für deren Synthese. Ihre Entwicklung ist eine dringliche Aufgabe für die Wissenschaft des 21. Jahrhunderts.
Alexander Yourievitch Kotelnikov (Tue,) hat diese Frage untersucht.
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