Von 1884 bis 1914 war Kamerun ein deutsches Protektorat. In dieser Zeit übertrugen die Deutschen im Rahmen einer Besetzungsstrategie ihr architektonisches Know-how auf das kolonisierte Gebiet. Dies äußerte sich in der Errichtung von Gebäuden und religiösen Bauten, die heute oft als „Überreste“ bezeichnet werden. Diese „Transfer“-Prozesse fanden jedoch im Rahmen eines umfassenden „Kolonialisierungs“- Projekts statt, bei dem Städtebau und Infrastruktur eine ebenso wichtige Rolle spielten wie öffentliche Gebäude. Die Rolle der Architektur und des Städtebaus wurde also den umfassenderen Interessen der Kolonialisierung untergeordnet, die durch die Beherrschung von Raum und Territorium gekennzeichnet war, um die Reichtümer des Landes auszubeuten. Heute scheint dieser Aspekt der Kolonialisierung aus dem Blickfeld zu geraten, wenn man über die kolonialen architektonischen Überreste spricht, deren Erzählungen romantisiert und oft als Symbole einer glorreichen Vergangenheit betrachtet werden. Wie trugen diese Gebäude, so unterschiedlich sie auch waren, zur Etablierung der deutschen Kolonialherrschaft bei? Welchen Stellenwert hatten sie tatsächlich in der Projektion der europäischen Stadt? Wie werden ihre Spuren heute wieder angeeignet und mit welchen Auswirkungen, in einer Zeit, in der eine zunehmende Tendenz zur „Entkolonialisierung“ von kolonialen Stätten und Denkmälern zu beobachten ist? In der kamerunischen Kulturlandschaft gibt es zwei dissonante Haltungen gegenüber der Bewahrung des deutschen baulichen Erbes: Die eine hängt mit dem passiven Handeln der lokalen Bevölkerung gegenüber diesem Erbe zusammen, die andere mit Formen der offiziellen und inoffiziellen Wiederaneignung durch die Verwaltung, kulturelle Einrichtungen und die ehemalige Kolonialmacht.
Champolion Miache Evina (Wed,) studied this question.