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Zusammenfassung In der vorliegenden Studie wurden ereignisbezogene Gehirnpotentiale (ERPs) verwendet, um das auditorische Satzverständnis bei 16 Kindern mit Entwicklungsdyslexie (Alter 9–12 Jahre) und nicht beeinträchtigten Kontrollen, die nach Alter, Geschlecht und nonverbaler Intelligenz abgeglichen wurden, zu vergleichen. Passive Sätze wurden präsentiert, die entweder korrekt waren oder eine syntaktische (Phrasenstruktur) oder semantische Verletzung (selektionale Einschränkung) enthielten. In einer allgemeinen Beurteilung der Satzkorrektheit schnitten sowohl Kontroll- als auch dyslexische Kinder gut ab. In den ERPs zeigten Kontrollkinder und dyslexische Kinder eine ähnliche N400-Komponente für die semantische Verletzung. Bei der syntaktischen Verletzung zeigten Kontrollkinder ein kombiniertes Muster, das aus einer früh einsetzenden bilateralen anterioren Negativität und einer späten centro-parietalen Positivität (P600) bestand. Dyslexische Kinder wiesen ein anderes Muster auf, das durch eine verzögerte links-lateralisierten anterioren Negativität gekennzeichnet war, gefolgt von einem P600. Diese Daten deuten darauf hin, dass dyslexische Kinder sich in Bezug auf semantische Integrationsprozesse (N400) oder kontrollierte Prozesse der syntaktischen Reanalysen (P600) während des auditorischen Satzverständnisses nicht von nicht beeinträchtigen Kontrollen unterscheiden. Frühere und vermutlich hochautomatische Prozesse des Phrasenstrukturaufbaus, die in der anterioren Negativität reflektiert werden, sind jedoch bei dyslexischen Kindern verzögert. Darüber hinaus deuten die Unterschiede in der hemisphärischen Verteilung der syntaktischen Negativität auf unterschiedliche zugrunde liegende Prozesse bei dyslexischen Kindern und Kontrollen hin. Die bilaterale Verteilung bei Kontrollen legt nahe, dass auch rechtshemisphärisch etablierte prosodische Prozesse an der syntaktischen Verarbeitung beteiligt sind, zusätzlich zu den linkshemisphärisch lokalisierten syntaktischen Prozessen, was die Auffassung unterstützt, dass prosodische Informationen zur Erleichterung der syntaktischen Verarbeitung während des normalen Verstehens verwendet werden können. Die linkshemisphärische Verteilung, die bei dyslexischen Kindern beobachtet wurde, deutet hingegen darauf hin, dass diese Kinder während des auditorischen Satzverständnisses nicht so stark auf Informationen über den prosodischen Kontur angewiesen sind wie Kontrollen. Dieses Ergebnis deutet auf eine phonologische Beeinträchtigung bei dyslexischen Kindern hin, die die Entwicklung syntaktischer Prozesse beeinträchtigen könnte.
Sabisch et al. (2006) untersuchten diese Frage.