Mathematikangst (MA) betrifft eine signifikante Anzahl von Schülern in Grundschulen. Jüngste Forschungen haben die Bedeutung der situativen und subjektiven Einschätzung von MA betont. Insbesondere die Relevanz einer mathematischen Situation sowie die Schwierigkeit der Aufgaben beeinflussen die Erfahrung von MA bei den Schülern. Während eine wachsende Anzahl von Studien die interindividuelle Varianz in der MA-Erfahrung untersucht, ist die Forschung zur intraindividuellen MA noch rar. Die Experience Sampling Method (ESM) scheint ein geeigneter Ansatz zu sein, um intraindividuelle Unterschiede in der MA zu adressieren. Die aktuelle Studie zielt darauf ab, Assoziationen zwischen situativen Merkmalen und der MA-Erfahrung mit besonderem Fokus auf Geschlechtsunterschiede zu untersuchen. Insgesamt wurden 57 Schüler aus vier Klassen der vierten Klasse während des Unterrichts über den Verlauf einer Stunde beobachtet. Die MA der Schüler, ihre subjektive Bewertung der Situationsrelevanz und der Aufgabenschwierigkeit wurden während jeder Stunde viermal zu semi-randomisierten Zeitpunkten mit ESM erfasst. Die Daten wurden mit Multilevel-Regressionsmodellen analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass eine höhere Aufgabenschwierigkeit mit einer erhöhten MA assoziiert war. Die situative Relevanz zeigte eine geschlechtsspezifische Assoziation mit MA: Mädchen berichteten von signifikant höherer MA in relevanteren Situationen, während bei Jungen eine höhere MA (nicht signifikant) mit weniger relevanten Situationen assoziiert war. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der situativen Bewertung von MA, die sich auf die intraindividuelle Varianz konzentriert. Geschlechtsunterschiede im situativen Zusammenspiel lassen darauf schließen, dass die Aufgabenschwierigkeit von allen Schülern auf der Grundlage ähnlicher Informationen bewertet wird, während die situative Relevanz bei Jungen und Mädchen unterschiedlich eingeschätzt wird. (DIPF/Orig.)
Herzog et al. (Mi,) haben diese Frage untersucht.