Diese Dissertation untersucht spätmittelalterliche Anhängerjuwelen als tragbare, hochgradig portable, multimediale Objekte, deren Bedeutungen durch körperliche Interaktion, materielle Komplexität und soziale Aufführung im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert entstanden. Der Fokus liegt auf Anhängern, die an den Valois-Höfen von Frankreich und Burgund produziert und zirkuliert wurden. Es wird für eine Neubewertung von Schmuck als aktiven Akteuren in der Andacht, dem höfischen Auftritt und dem Aufbau von persönlicher und geschlechtlicher Identität plädiert, anstatt ihn als marginalen Schmuck zu betrachten. Durch eine eingehende Analyse vorhandener Objekte, archivarischer Bestände und visueller Darstellungen in Manuskripten zeigt die Studie, dass Anhänger absichtlich so gestaltet wurden, dass sie hängen, sich bewegen, öffnen und Berührungen einladen – oder strategisch einschränken – und damit Begegnungen zwischen Trägern und Betrachtern vermitteln und die Unterscheidungen zwischen privater Andacht und öffentlichem Spektakel aufheben. Zentral für dieses Projekt ist das Konzept des interaktiven Körpers, das eingeführt wurde, um zu theorieren, wie Anhängerjuwelen das verkörperte Erlebnis strukturierten und an sozialen, spirituellen und politischen Netzwerken teilnahmen. Durch die Kombination von Rahmenelementen der Materialität, Intermedialität und sensorischen Erfahrung positioniert die Dissertation Anhänger an der Schnittstelle von Hingabe, Luxus und ethischem Anstand und deckt ihre Rolle in Debatten um Luxusregelungen, Tugend und Übermaß auf. Besonderes Augenmerk gilt den taktilen und affektiven Dimensionen dieser Objekte, einschließlich der Momente, in denen Berührung durch schützende Materialien wie Bergkristall diszipliniert oder aufgeschoben wurde. Durch Fallstudien, die von Reliquiar-Anhängern – wie dem Reliquiar-Anhänger des Heiligen Dornes im Britischen Museum – bis hin zu fiktionalen Juwelen in Manuskripten des fünfzehnten Jahrhunderts reichen, verfolgt die Dissertation, wie spätmittelalterliche Anhänger Grenzen zwischen dem Heiligen und dem Weltlichen, Intimität und Darstellung sowie materialen und spirituellen Sphären aushandelten. Sie zeigt ferner, wie diese Objekte innerhalb globaler Netzwerke von Materialien und Bedeutungen zirkulierten und als Gedächtnisspeicher und Statussymbole fungierten, wenn sie getragen, gehalten oder manipuliert wurden. Letztendlich positioniert diese Studie Anhängerjuwelen – und Schmuck im weiteren Sinne – als künstlerisch komplexe und bedeutungsvolle Formen der spätmittelalterlichen Materialkultur und argumentiert, dass tragbare Objekte als interaktive Kunstwerke fungierten, die Berührung disziplinierten, Identität materialisierten und die intimsten Verhandlungen zwischen Körper und Glauben vermittelten.
Sophia Helen Ong (Thu,) studierte diese Frage.