Zusammenfassung Sich Texten intim anzunähern, bedeutet sich lesend unvoreingenommen und ungeschützt auf Begegnungen einzulassen mit abwesenden und anwesenden Anderen, und mit sich. Texte werden dabei nicht als Produkt von Berechnungen und Daten begriffen, sondern als Ausdruck von Welterfahrung und Weltwissen einer oder mehrerer Personen. Um Verstehen zu realisieren und daran möglichst Teilhabe zu erlangen, ist eine Lektürepraxis nötig, worin Elemente der Dekonstruktion (Abwesenheit der Autorschaft und Iteration) mit Elementen der Hermeneutik (Diktat und Vollzugssinn) verbunden werden. Autor:innen werden als abwesende vorgestellt, aber als konkrete Person(en) in Raum und Zeit vorausgesetzt. Die lesende Person wird ihrerseits zwar als sozial eingebettete begriffen, aber in der Lektürepraxis als je Besondere als für die Realisierung von Verstehen notwendige und mitverantwortliche verteidigt. Angesichts aktueller Herausforderungen durch datenbasierte Sprach‐Systeme und deren massive Auswirkungen auf Gerechtigkeitsverständnis, Wahrheitssuche und demokratische Grundrechtforderung kommt der Praxis intimer Lektüre und ihrer Pflege neue und grundlegende Bedeutung zu.
Christine Abbt (Thu,) studied this question.
Synapse has enriched 5 closely related papers on similar clinical questions. Consider them for comparative context: