Verlangt Freundschaft von uns, gegen epistemische Normen zu verstoßen? Laut dem Epistemischen Partialismus in Bezug auf Freundschaft lautet die Antwort: ja. Man kann nicht gleichzeitig ein*e gute*r Freund und ein guter epistemischer Akteur sein. Ich halte dieses Ergebnis für beunruhigend, weshalb ich in meiner Arbeit zeigen möchte, dass der Epistemische Partialismus falsch liegt. Ich beginne mit einem Überblick über die aktuelle Debatte und stelle zwei Positionen vor, die den Epistemischen Partialismus verteidigen, sowie zwei, die ihn ablehnen. Anschließend entwickle ich mein eigenes Argument gegen den Epistemischen Partialismus. Ich nenne es Das Ehrlichkeitsargument, da es von der Beziehung der Ehrlichkeit zur Wahrheit und ihrer Rolle in der Freundschaft ausgeht. Ehrlichkeit ist eine Voraussetzung für Freundschaft und zielt wesentlich auf die Wahrheit ab. Dies erfordert ein Bekenntnis zu epistemischen Normen. Ein solches Bekenntnis schließt es aus, gegen epistemische Normen zu verstoßen. Wenn Freundschaft also Ehrlichkeit verlangt, kann sie nicht gleichzeitig verlangen, gegen epistemische Normen zu verstoßen. Der Epistemische Partialismus liegt falsch. Abschließend setze ich mich mit möglichen Einwänden gegen mein Argument auseinander. Man könnte einwenden, dass wir in Konfliktfällen das Wohlergehen unserer Freunde der Ehrlichkeit vorziehen sollten, oder dass Das Ehrlichkeitsargument zu anspruchsvoll und in manchen Fällen intuitiv unplausibel ist. Auf diese Einwände gehe ich der Reihe nach ein.
Mirela Koleva (Tue,) studied this question.