Die Lehre ist eine äußerst verbreitete Methode zur Übermittlung technischer und beruflicher Kenntnisse, sowohl historisch als auch geografisch: von Verträgen, die im 1. Jahrhundert nach Christus auf Papyrus verfasst wurden, bis hin zu notariellen Verträgen der mittelalterlichen und modernen Epochen, bis zur zeitgenössischen Welt, in der die Lehre oft als mögliche Lösung für die Jugendarbeitslosigkeit als Alternative zur als zu theoretisch betrachteten schulischen Ausbildung angeführt wird. Über die Gemeinsamkeiten hinaus haben Lehren in den frühneuzeitlichen europäischen Gesellschaften unterschiedliche Rollen gespielt, die sich oft überschneiden, insbesondere in ländlichen Gebieten, mit Dienstverhältnissen und spezifischen Familienmodellen. Die Rolle der Lehre in den wirtschaftlichen Entwicklungen verschiedener europäischer Regionen war Gegenstand von Debatten und, laut einigen Studien (Morgan Kelly, Joel Mokyr und Cormac O’Grada, 2015), war einer der Faktoren, die zur englischen Industriellen Revolution beitrugen, die angebliche technische Überlegenheit der durch Lehre ausgebildeten Arbeitskräfte. In der frühneuzeitlichen Europa bezeichnete die Lehre eine Beziehung, die die Übertragung technischen Wissens von einem Meister oder einer Meisterin auf eine junge Person beinhaltete, was allgemein Koexistenz und die Annahme elterlicher Autorität anstelle der Eltern implizierte. Verträge spezifizierten manchmal, dass der Meister sich gegenüber dem Lehrling wie ein „guter Vater“ verhalten sollte. Die den Historikern zur Verfügung stehenden Quellen sind vielfältig: Volkszählungen, Zunftregeln, Gerichtsprotokolle und vor allem Verträge.
Anna Bellavitis (Sat,) hat diese Frage untersucht.