Zusammenfassung Der Beitrag untersucht die Auswirkungen künstlicher Intelligenz (KI) auf die Selektivität strafrechtlicher Sozialkontrolle und argumentiert, dass diese Technologien bestehende Selektionsmechanismen nicht nur fortführen, sondern qualitativ verändern. Während die Debatte um neue Strafverfolgungstechnologien bislang vor allem Fragen von Fehleranfälligkeit, Kontrolle und Grundrechtsschutz fokussiert, rückt der Text die strukturelle Selektivität in den Mittelpunkt – also die Frage, welche Räume, Personen und Delikte überhaupt in den Fokus strafrechtlicher Aufmerksamkeit gelangen. Anhand verschiedener Einsatzfelder – etwa intelligente Verdachtsgenerierung, biometrische Identifizierung, KI-gestützte Datenanalyse – zeigt der Beitrag, dass KI bereits heute zentrale Phasen des Strafverfahrens prägt, insbesondere die Verdachtsentstehung und Ermittlungsarbeit. Dabei verstärken sich bestehende räumliche und personelle Selektionsmuster, etwa durch die Konzentration technischer Überwachung auf bestimmte Orte und die Nutzung selektiv zusammengesetzter Datenbanken. Gleichzeitig verschiebt sich die Aufmerksamkeit hin zu »technologiekompatiblen« Delikten, die sich effizient automatisiert erfassen und bearbeiten lassen. Zudem führt der Einsatz von KI zu einer neuen Qualität der Selektivität: Durch Skalierungseffekte werden selektive Mechanismen intensiviert, während algorithmische Entscheidungsprozesse deren Ursachen zunehmend verschleiern. Verzerrungen in Trainingsdaten und unterschiedliche Fehlerraten können darüber hinaus diskriminierende Effekte verstärken. Insgesamt kommt der Beitrag zu dem Ergebnis, dass KI eine Verstärkung, Verschiebung und Verschleierung selektiver Strafverfolgung bewirkt. Angesichts begrenzter Ressourcen bleibt Selektivität unvermeidbar, doch droht sie sich stärker an technologischen Möglichkeiten statt an bewussten, sachlichen Kriterien auszurichten. Der Beitrag plädiert daher dafür, Selektivität als zentrale Problemdimension in den Diskurs über KI in der Strafverfolgung einzubringen.
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Johanna Hahn (2026) studied this question.
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