Komplexität scheint im Anthropozän allgegenwärtig zu sein. Die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, um planetarisch zu werden, sind komplex. Wir sehen die Komplexität im Denken über die Zukunft, was sich auch auf den Inhalt und den Prozess von Bildung auswirkt. Wir müssen uns über die wissenschaftlichen Konzepte, die wir zur Analyse des Anthropozäns verwenden, im Klaren sein. Dies ist umso notwendiger, als die Komplexität des Phänomens nicht immer explizit gemacht wird. In Artikeln über das Anthropozän kommen die Begriffe „Komplexität“ und „komplex“ nur selten im Titel vor. Interessant ist, dass in dem Artikel von Balbo et al. (2020) über die Analyse des gemeinsamen Auftretens von Schlüsselwörtern in der Anthropozän-Debatte weder das Wort Komplexität noch das Wort komplex als eines dieser Schlüsselwörter erscheint. Denken die 1416 Autor:innen der untersuchten Texte, dass Komplexität kein angemessenes Schlüsselwort zur Beschreibung des Anthropozäns ist? Ich glaube nicht. Auch das Wort „Anthropozän“ taucht in der Wortwolke nicht auf. Ich vermute also, dass „Komplexität“ die logische Folge von „Anthropozän“ ist – sie taucht nicht auf, weil sie überall im Anthropozän vorkommt. Wichtig für diese Debatte ist auch der Theoretiker Deleuze. In seinem Buch über Bildung, das Anthropozän und Deleuze/Guattari (2022) analysiert David Cole das deleuzesche Schlüsselkonzept der „Vielheit“, das immer wieder als Komplexität thematisiert wird (Deleuze 2004) und als Struktur des Raums der Möglichkeiten beschrieben werden kann, was für das Nachdenken über die Komplexität des Anthropozäns durchaus relevant ist.
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