Zusammenfassung Der Beitrag geht der Frage nach der möglichen Wahrnehmung historischer Zäsuren im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. nach. Er verfährt dazu exemplarisch, indem er vier prominente Beispiele in Augenschein nimmt, denen seitens der Forschung vielfach Zäsurcharakter attestiert und zu denen nicht selten die These vertreten wird, dass auch die Zeitgenossen bzw. Verfasser der Primärquellen sie in ebendieser Weise wahrgenommen und präsentiert hätten: die Reformwerke des Kleisthenes und des Ephialtes sowie die Schlachten bei Marathon und Salamis. Der Beitrag untersucht zunächst die einschlägigen Quellen und gelangt dabei zu im Wesentlichen negativen Befunden. Im Anschluss eruiert er mögliche strukturelle Ursachen für diese Resultate. Er demonstriert, dass sie weniger im Fehlen eines geeigneten Zeitbegriffs bzw. eines Verständnisses für historische Entwicklungen oder Brüche begründet liegen als vielmehr in den Spezifika der athenischen Memorialkultur, deren Deutungskonzepten und Formen der Sinnstiftung. Im Zuge dessen erprobt er nicht zuletzt Kriterien für die epochenübergreifend relevante Frage nach den Bedingungen für die Perzeption bzw. die Operationalisierung historischer Zäsuren durch die jeweiligen Zeitgenossen.
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Karen Piepenbrink (2026) studied this question.
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