Zusammenfassung Entgegen dem demokratietheoretischen Ideal einer legitimen Politik durch Ausgleich unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessen ist die tatsächliche Interessenrepräsentation strukturell zugunsten starker, d. h. erwerbs- und produktionsbezogener Interessen verzerrt. Ein Prototyp schwacher Interessen stellen demgegenüber Erwerbslose dar, die über eine nur geringe Organisations- und Konfliktfähigkeit verfügen. Unter Rückgriff auf die Interessengruppenforschung zu schwachen Interessen und auf Basis leitfadengestützter Interviews mit unabhängigen Erwerbsloseninitiativen, gewerkschaftlichen Erwerbslosenorganisationen und Wohlfahrtsverbänden untersuchen wir, inwiefern die organisierten Interessen der Erwerbslosen von den ihnen (neu oder leichter zugänglich) zur Verfügung stehenden „Weapons of the Weak“ – Mobilisierung der Öffentlichkeit, justizielle Praktiken und Koalitionsbildung mit anderen Organisationen – Gebrauch machen (können). Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Erwerbsloseninitiativen hierbei vor Ressourcenproblemen und strategischen Dilemmata stehen. Während die Abhängigkeit von öffentlicher Finanzierung eine Konzentration auf die Sozialrechtsberatung zulasten der politischen Interessenvertretung bewirkt, erweisen sich organisationsübergreifende Bündnisse als voraussetzungsvoll und brüchig. Einerseits zeigen sich substanzielle Interessendivergenzen zwischen Erwerbsloseninitiativen und Advokaten wie Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden, andererseits gehen Koalitionsbildungen aus Sicht der Erwerbsloseninitiativen mit einer Marginalisierung genuiner Erwerbsloseninteressen einher. Zugleich eröffnen die in der Beratung erworbene SGB-II-Expertise und die Mobilisierung über soziale Medien Erwerbslosenorganisationen Möglichkeiten, die eigene Position zu verbessern.
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Beckmann et al. (2026) studied this question.
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