Visionen und Deutungen über KI im öffentlichen Diskurs beeinflussen nicht nur, wie die rasant aufkommende Technologie innerhalb einer Gesellschaft wahrgenommen und beurteilt wird, sondern auch deren Weiterentwicklung und Anwendung. Gesellschaftliche Akteur:innen, die sich mit KI befassen, versuchen deshalb, öffentliche Akzeptanz für ihre Visionen zu erzeugen. Besonders erfolgreich scheinen dabei in jüngerer Vergangenheit Vertreter:innen profitorientierter Unternehmen zu sein. Nicht selten wird dem Journalismus, der diese öffentlichen Stimmen auswählt und präsentiert, eine zuguns-ten wirtschaftlicher Akteur:innen verzerrte KI-Berichterstattung unterstellt. In unserer Studie sollte diese Annahme mithilfe eines hierfür entwickelten Modells zur Unterscheidung verschiedener medial sichtbarer Akteur:innen – unter anderem hinsichtlich ihrer KI-bezogenen Expertise – kontextualisiert werden. Dafür untersuchten wir die Akteur:innenstrukturen in der Berichterstattung über textgenerative KI wie ChatGPT in zehn ausgewählten deutschen Zeitungen im Zuge einer halb-automatisierten Inhaltsanalyse. In den zwischen November 2022 und April 2024 veröffentlichten Artikeln kamen vor allem Repräsentant:innen wissenschaftlicher Institutionen und profitorientierter Unternehmen zu Wort. Die meisten dieser Akteur:innen wiesen praxisbezogene, oft mit KI-Firmen assoziierte Expertise in der KI-Entwicklung auf. Vorwiegend wissenschaftliches, epistemisches Wissen und professionalisierte Evaluationskompetenz hinsichtlich der Technologie waren entsprechend zweitrangig. Die hier vorgebrachten Ergebnisse perspektivieren die vermutete Dominanz wirtschaftlicher Akteur:innen im öffentlichen KI-Diskurs, indem sie eine nahezu ausgeglichene Inklusion wissenschaftlicher Stimmen herausarbeiten, jedoch auch auf fehlende unabhängige Einschätzungen der Technologie in Form epistemischer Expertise hinweisen.
Lüders et al. (Thu,) studied this question.
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