This Master’s thesis examines the acceptance and usability of ASR in European institutions, indicating its emerging relevance.
Während Sprachtechnologien vom Randbereich technologischer Innovation zunehmend in das Zentrum mehrsprachiger professioneller Kommunikation rücken, ist die automatische Spracherkennung (ASR – Automatic Speech Recognition) nicht mehr nur eine technische Entwicklung, sondern auch ein institutionelles und translationsbezogenes Themenfeld. Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Relevanz, Gebrauchstauglichkeit und Akzeptanz von ASR in europäischen institutionellen Kontexten, mit besonderem empirischem Fokus auf das Europäische Parlament (EP), die rumänische Sprache sowie die professionellen Arbeitsabläufe der Generaldirektion Übersetzung (GD TRAD). ASR wird dabei nicht nur als Speech-to-Text-System verstanden, sondern als eine Technologie, deren praktischer Nutzen durch sprachliche Bedingungen, professionelle Erwartungen und institutionelle Rahmenbedingungen geprägt ist. Durch die Verbindung einer theoretischen Auseinandersetzung mit einer explorativen Fallstudie untersucht die Arbeit drei Formen des ASR-Einsatzes: Echtzeittranskription, asynchrone Transkription sowie aktive ASR-Nutzung, einschließlich sprachgestützter Interaktion. Der empirische Teil stützt sich auf ein Interview mit dem Leiter der Speech-to-Text Unit des EP, ein Interview mit einem erfahrenen Proofreader aus der rumänischen Sprachabteilung der GD TRAD, eine strukturierte Präsentation für diese Abteilung, eine anschließende Erprobung sowie einen Fragebogen unter deren Mitgliedern. Durch die Verbindung von Expertenwissen, berufspraktischer Erfahrung, direkter Erprobung und strukturiertem Feedback zielt die Studie darauf ab, konkreter zu erfassen, wie ASR in europäischen institutionellen Kontexten entwickelt, wahrgenommen und bewertet wird. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Relevanz, Gebrauchstauglichkeit und Akzeptanz von ASR je nach institutionellem Arbeitsablauf in europäischen Institutionen variieren und von Funktion, Risikograd sowie dem Ausmaß menschlicher Kontrolle abhängen. Während die Live-Speech-to-Text-Plattform des EP als Barrierefreiheitsdienst für unmittelbaren Zugang relevant ist, insbesondere bei weniger politisch sensiblen Veranstaltungen, eignet sich Verba stärker für offizielle Transkriptionsabläufe innerhalb der GD TRAD, in denen eine menschliche Überarbeitung vor der Veröffentlichung die ASR-Ausgabe akzeptabler macht. Obwohl die Integration von ASR in CAT-Tool-gestützte Arbeitsabläufe begrenzt bleibt, zeigen die Mitglieder der rumänischen Sprachabteilung im EP eine vorsichtige, aber deutliche Offenheit gegenüber einer künftigen aktiven Nutzung von ASR, sofern die Tools institutionell sicher und zugelassen sind. Insgesamt vertritt die Arbeit die Auffassung, dass ASR in europäischen Institutionen keine ferne Möglichkeit mehr, sondern eine entstehende Realität ist. Allerdings ist ihre institutionelle Nutzung noch nicht vollständig ausgereift oder in all ihren Formen integriert, und ihre Zukunft in den EU-Institutionen hängt von einer schrittweisen, sicheren und an konkrete Arbeitsabläufe angepassten Integration ab.
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