Der vorliegende Beitrag untersucht die didaktische Umsetzung diskursiver Landeskunde im zielsprachenfernen Hochschulkontext am Beispiel des Kurses „Landeskunde 1“ an einer vietnamesischen Universität. Ausgehend von einem Verständnis von Kultur als Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Diskursen, kulturellen Deutungsmustern und unterschiedlichen Positionierungen wird dargestellt, wie Studierende schrittweise an diskursive Arbeitsweisen herangeführt wurden. Im Mittelpunkt stehen die Einführung in diskursive Perspektiven auf Kultur sowie die Gestaltung thematischer Sitzungen zu gesellschaftlich relevanten Themen wie Mobilität, Ernährung oder Klima. Der Beitrag zeigt, wie diskursive Landeskunde insbesondere durch kontrastierende Materialien, konkrete Diskursfragmente, kollaborative Arbeitsformen und moderierte Diskussionen umgesetzt werden kann. Gleichzeitig werden zentrale Herausforderungen sichtbar: die Auswahl geeigneter Themen, der Rückgriff auf nationalstaatliche Vergleichsmuster, die hohe Steuerungsleistung der Lehrkraft sowie institutionelle Rahmenbedingungen. Der Beitrag argumentiert, dass diskursive Landeskunde in zielsprachenfernen Kontexten eine sorgfältige didaktische Operationalisierung benötigt, um Lernende nicht nur an gesellschaftliche Diskurse heranzuführen, sondern auch ihre diskursive Beteiligung und eigene Positionierung zu unterstützen.
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